Grossrats-Mittagessen zur Hospizversorgung
Am 5. März 2026 lud die Interessengemeinschaft Hospize Kanton Bern die Mitglieder des Grossen Rates im Rahmen der Frühlingssession zu einem Informationslunch ins Rathaus Bern ein. Grossrätinnen und Grossräte nutzten die Gelegenheit, sich aus erster Hand über die aktuellen Entwicklungen der Hospizversorgung im Kanton zu informieren.
Im Zentrum standen die beiden Hospizpilotprojekte La Passerelle in Corgémont und das Hospiz Bern in der Stadt Bern. Das Hospiz Bern wird im Sommer seinen Betrieb aufnehmen, La Passerelle plant die Eröffnung ebenfalls im Jahr 2026. Darüber hinaus wurden die Planungen weiterer Erwachsenen-Hospize sowie die bisherigen Erfahrungen des Kinderhospizes allani, das seit rund anderthalb Jahren in Betrieb ist, vorgestellt.
Die IG Hospize Kanton Bern präsentierte ihre Analyse zur bedarfsgerechten Hospizversorgung. Diese geht davon aus, dass im Kanton Bern mit rund einer Million Einwohnerinnen und Einwohnern jährlich etwa 10'000 bis 11'000 Menschen sterben. Internationale Erfahrungswerte zeigen, dass rund 3–5 Prozent der Sterbefälle eine spezialisierte stationäre Hospizversorgung benötigen. Unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von zwei bis drei Wochen pro Person sowie internationaler Richtwerte von 8–10 Hospizbetten pro 100'000 Einwohnerinnen und Einwohner ergibt sich für den Kanton Bern ein Orientierungsbedarf von rund 50 Hospizbetten für Erwachsene.
Diese Zahl bezieht sich ausschliesslich auf spezialisierte Hospizplätze und umfasst weder Betten der Akutversorgung noch der klassischen Langzeitpflege. Stationäre Hospize sind eine eigenständige Versorgungsform innerhalb der spezialisierten Palliative Care und können strukturell wie finanziell weder dem Spitalbereich noch Pflegeheimen gleichgesetzt werden.
Entscheidend ist daher nicht nur die Anzahl Betten, sondern der Aufbau einer klar verankerten, regional verteilten und nachhaltig finanzierten Versorgungsstruktur.
Der Anlass war geprägt von engagierten Gesprächen, differenzierten Fragen und einem interessierten Austausch zwischen Politik und Fachpersonen. Deutlich wurde: Die Berner Hospizversorgung bewegt – und es besteht ein breiter Konsens, gemeinsam tragfähige Lösungen für schwerstkranke, sterbende Menschen sowie ihre Angehörigen zu entwickeln.