Editorial

Wir kommunizieren immer. Auch dann, wenn uns die Worte fehlen.

Gerade im Gesundheitswesen, gerade dann, wenn es um Krankheit, um das Lebensende, um Sterben und Trauer geht, wird spürbar, wie sehr ein gutes Gespräch trägt  und wie schwer es manchmal fällt. Was sage ich? Wie höre ich zu? Wie bringe ich ein, was mir wirklich wichtig ist, als Patientin, als Angehöriger, als Fachperson?

Kommunikation ist keine Nebensache. Sie ist das, was Beziehung möglich macht: zwischen Patient:innen und Behandelnden, zwischen Angehörigen und Teams, zwischen uns allen als Gesellschaft. Und sie ist lernbar, wenn wir ihr den Raum geben.

Diesem Raum widmet sich dieser Newsletter – mit der «Woche zum Leben mit dem Tod», die uns mit grosser Freude erfüllt, einer Arbeitstagung zur Frage, ob Kommunikation eine Kunst ist oder eben keine, einer Doktorarbeit, die Ihre Erfahrung sucht, einem Ausblick auf das Forum 2027 – und der Gesundheitlichen Vorausplanung, die ohne gute Gespräche nicht denkbar ist. Denn letztlich geht es immer um dasselbe: dass Worte uns verbinden, statt unausgesprochen zu bleiben

 

Ihre

Claudia Zürcher-Künzi,
Geschäftsleiterin palliative bern    

 

 

 

Die Woche zum Leben mit dem Tod – wir sind online!

24. Oktober bis 1. November 2026, in Bern und in der ganzen Schweiz

 

 
Es ist so weit
: Das Programm der endlich.menschlich. Woche zum Leben mit dem Tod ist online – und wir haben grosse Freude an dem, was da gemeinsam entsteht.

Sterben, Tod und Trauer gehören zum Leben. Und doch bleiben sie oft im Verborgenen. Die Woche zum Leben mit dem Tod bricht dieses Schweigen: In Städten und Regionen der ganzen Schweiz öffnen Theater, Kirchen, Museen und öffentliche Plätze ihre Türen. Lesungen, Erzählcafés, Workshops, Audiowalks, Podien und vieles mehr laden ein – offen, kreativ, mitfühlend. Allein in Bern sind, unter dem Motto «das Lebensende macht Schule» bereits fast hundert Veranstaltungen angekündigt, und das Programm wächst laufend.

Die Woche ist Teil der internationalen Bewegung Public Health Palliative Care (PHPCI) und unterstützt die Berner Deklaration 2024 sowie die Compassionate City Charter. Dass so viele Organisationen, Institutionen und engagierte Menschen mittragen, berührt uns – genau so wird das Sterben wieder Teil des Lebens in der Gemeinschaft.
Kommen Sie vorbei, hören Sie zu oder sprechen Sie mit.
 

Zum Programm
 

 


Arbeitstagung «Kommunikation im Gesundheitswesen – (K)eine Kunst?»

Mittwoch, 28. und Donnerstag, 29. Oktober 2026 – im Rahmen der Woche zum Leben mit dem Tod

Kommunikation ist (k)eine Kunst. So oder ähnlich wird das weite Feld der Kommunikation im Gesundheitswesen und in der breiten Bevölkerung wahrgenommen. Bei anspruchsvollen Themen wie Lebensende, Sterben und Trauer wird das Bedürfnis nach Anleitung jedoch besonders drängend – und doch gibt es in diesem Bereich erstaunlich wenige Qualitätsstandards, trotz umfangreicher wissenschaftlicher Evidenz.
 
Deshalb widmen sich die beiden Tage im Oktober in Form von Workshops, einem Symposium und einer Fachtagung dem Thema  «Sprechen wir über das Ende – endlich, menschlich»:

 

Mittwoch, 28. Oktober 2026: Kommunikation lernen – von der Schule bis ins Studium

Bereits am Mittwoch startet das Programm mit einem besonderen Vormittag: Schulklassen entwickeln gemeinsam mit ihren Lehrpersonen in Workshops eine eigene Sprache rund ums Lebensende – offen, kreativ und altersgerecht. Am Nachmittag folgt ein Symposium für Studierende, Dozierende und Ausbildungsverantwortliche aus Medizin und Pflege: Ausgehend von den Bedürfnissen erkrankter Menschen fragen sie gemeinsam, wie Kommunikation in der Ausbildung mehr Gewicht erhalten kann – und wie empathische Gespräche auf Augenhöhe, auch in schwierigen Situationen, gelingen. Ein Tag, der zeigt: Gute Kommunikation am Lebensende beginnt früh – und braucht Raum in der Bildung.
Teilnahme kostenlos, auf Einladung

 

Donnerstag, 29. Oktober 2026: Wie reden wir über die gesundheitliche Vorausplanung und das Lebensende – und warum fällt es uns so schwer?

Im Rahmen der Fachtagung teilen Fachpersonen aus Rettung, Intensivmedizin und Palliative Care Praxiserfahrungen, ein interaktives Aktionstheater lädt zum Mitmachen ein – und Soziologe Harald Welzer spricht öffentlich über das Leben vom Ende her denken. Den Abschluss bildet ein gemeinsamer Versuch eines Manifests: Was wünschen wir uns für die Qualität unserer Kommunikation – miteinander, über die gesundheitliche Vorausplanung sowie das Lebensende, und als Gesellschaft? Die Teilnahme ist mit 5 Weiterbildungspunkten von palliative.ch anrechenbar. Ab 16.30 Uhr freier Eintritt für alle Interessierten.
 

 

Die Tagung wird vom Universitären Zentrum für Palliative Care am Inselspital und der Universität Bern organisiert und gemeinsam mit ComLab, der Palliativakademie Bern, palliative.ch, palliative bern, der Schweizerischen Patientenorganisation sowie der nationalen Arbeitsgruppe Gesundheitliche Vorausplanung (GVP) von BAG und SAMW durchgeführt.

Save the Date – wir freuen uns auf den Austausch!

 

Programm & Anmeldung
 

 


Mitdenken erwünscht: Ihre Erfahrung ist gefragt

Wie gelingt ein gutes Gespräch zwischen Patient:innen und Ärzt:innen? Und welche Hilfsmittel können dabei unterstützen, eigene Anliegen, Fragen und Ängste einzubringen?

Diesen Fragen geht eine medizinische Doktorarbeit an der Universität Bern nach – und sucht dafür Menschen, die ihre Erfahrungen einbringen möchten. Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines evidenzbasierten Hilfsmittels für Patient:innen sowie ihre Angehörigen, das eine Kommunikation auf Augenhöhe stärkt.

Wer kann mitmachen? Eingeladen sind Patient:innen, Angehörige und Gesundheitsfachpersonen. Entscheidend ist Ihr Erfahrungswissen rund um Gespräche im Gesundheitswesen.

Wie läuft es ab? In einer Diskussionsrunde («Fokusgruppe») von maximal 90 Minuten tauschen Sie Ihre Sichtweise und Ideen aus. Die Treffen finden in der Stadt Bern oder online statt. Wegspesen (ÖV, 2. Klasse) werden übernommen; für das leibliche Wohl ist mit Getränken und Knabbereien (ausser wenn online durchgeführt) gesorgt. Eine finanzielle Entschädigung ist nicht vorgesehen.

Interesse? Melden Sie sich bei Helena Rohner, Assistenzärztin und Doktorierende Medizin: maria.rohner@students.unibe.ch Die genauen Termine werden anschliessend gemeinsam festgelegt. Wir freuen uns über zahlreiche Erfahrungsbeiträge!

 


Forum 2027:
Angst vor dem Sterben? Angst vor dem Tod?

Donnerstag, 4. März 2027, Hotel Bern – ein Forum für Medizin, Pflege und professionelle Begleitung

 

Sterben ist nicht nur ein medizinisches Ereignis. Es ist eine zutiefst menschliche Erfahrung – mit medizinischen, psychologischen, sozialen und philosophischen Dimensionen. Angst vor dem Sterben und vor dem Tod begegnet Fachpersonen im Gesundheitswesen häufig: in Gesprächen mit Patient:innen und Angehörigen, und nicht selten auch in der eigenen beruflichen Erfahrung.

Das Forum schafft einen interdisziplinären Denk-, Reflexions- und Resonanzraum für die professionelle Praxis. Im Mittelpunkt stehen die professionelle Haltung im Angesicht existenzieller Angst, die Grenzen medizinischer und pflegerischer Machbarkeit, die Bedeutung von Beziehung, Präsenz und Kommunikation – sowie Selbstfürsorge in der Begleitungsarbeit.

Mit dabei sind unter anderem Prof. Dr. med. Steffen Eychmüller, Dr. phil. Dr. theol. Monika Renz, Dr. med. M.Sc. Sivan Schipper, Johanna Klug, Dr. phil. Stefan Nadile und Prof. Dr. med. Dr. phil. Thomas Fuchs. Moderation: Martin Frischknecht.
Die Teilnahme ist mit 3 Credits AIM und 3 Credits palliative.ch akkreditiert.

Teilnahmegebühr: CHF 265.– regulär / CHF 245.– Mitglieder palliative bern / CHF 165.– Studierende und Personen in Ausbildung (inkl. Verpflegung vor Ort)

 
Weitere Informationen & Anmeldung

 

Gesundheitliche Vorausplanung: Vorausdenken heisst miteinander sprechen

Wer entscheidet eigentlich über medizinische Massnahmen, wenn ich selbst nicht mehr dazu in der Lage bin? Wissen meine Angehörigen, was mir in einer solchen Situation wichtig wäre?

Die Gesundheitliche Vorausplanung (GVP) stärkt die Selbstbestimmung in gesundheitsbezogenen Fragen – insbesondere im Hinblick auf die Behandlung am Lebensende und für Situationen der Urteilsunfähigkeit. Es geht darum, die eigenen Werte und Vorstellungen zu Behandlung und Betreuung zu reflektieren und mitzuteilen, damit sie für Drittpersonen greifbar sind – etwa in einer Patientenverfügung.

Und genau hier schliesst sich der Kreis zur Kommunikation, um die es in diesem Newsletter geht: Vorausplanen heisst im Kern, miteinander ins Gespräch zu kommen – mit den Nächsten, mit der Hausärztin, mit dem Behandlungsteam. Ein Dokument allein trägt nicht; das Gespräch davor und darüber schon. Es sind diese Gespräche auf Augenhöhe, oft über Schwieriges und nicht selten lange aufgeschoben, die der Vorausplanung erst Substanz geben. Worte verbinden – auch dann, wenn sie uns zunächst fehlen.

 

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) setzt sich gemeinsam mit der SAMW dafür ein, die GVP in der Schweiz zu verankern, und sensibilisiert die Bevölkerung mit verständlichen Informationsmaterialien. GVP ist freiwillig – sie soll aber für alle, die sich damit befassen möchten, zugänglich und verständlich sein.

 

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