Sich selbst den Wert geben – heute
Ursula Hafed, Geschäftsleiterin des Wohn- und Pflegeheims St. Niklaus in Koppigen und Präsidentin von palliative bern, hat mir heute von Bruno Wälti erzählt. Der 85-jährige Bewohner führt einen Alltag, der von Zufriedenheit geprägt ist: Er fotografiert, arbeitet am Computer, gestaltet Dia-Shows und hilft, wo er kann. Er bringt sich ein – so, wie es ihm möglich ist. (Hier ein Einblick in sein Leben) Er gebe sich selbst seinen Wert, sagt Ursula Hafed. Niemand sonst kann das für ihn tun. In diesem Satz liegt etwas Grundlegendes. Etwas, das uns alle betrifft – unabhängig von Alter, Gesundheit oder Lebenssituation. Freude im Leben entsteht dort, wo wir uns selbst Wert geben. Nicht als Selbstoptimierung, nicht als Leistung oder Ziel, nicht als ständiges Bemühen, «genug» zu sein. Sondern als innere Haltung: eine leise Zustimmung zum eigenen Dasein. Sich selbst Wert zu geben heisst, dem eigenen Leben einen Rahmen zu geben. Einen Rahmen, der nicht einengt, sondern trägt. Der Halt gibt, ohne festzuschreiben. Der es erlaubt, sich zu entfalten, das eigene Glück zu leben und sich selbst ernst zu nehmen – mit dem, was möglich ist, und auch mit dem, was nicht mehr geht. Nicht irgendwann, wenn alles erledigt, geklärt oder erreicht ist. Sondern heute. Gerade im Alter, im Kranksein oder im Abschiednehmen wird diese Frage besonders spürbar: Worin liegt mein Wert, wenn vieles wegfällt, was mich früher definiert hat? Die Erzählung von Bruno Wälti erinnert daran, dass Wert nicht von Produktivität abhängt, nicht von Tempo, nicht von äusseren Massstäben. Er entsteht im Dasein selbst – im Tun, im Sein, im Sich-Zeigen, so wie man ist. Freude ist dabei kein Versprechen auf Dauer. Sie ist kein Zustand, der festgehalten werden kann. Sie ist vielmehr ein Moment des Einverstandenseins mit dem eigenen Leben. Ein Augenblick, in dem wir aufhören, uns mit einem anderen Leben zu vergleichen, und beginnen, das eigene anzunehmen. Vielleicht braucht es nicht mehr als das: sich zu erlauben, wertvoll zu sein. Zuzugestehen, dass unser Leben – mit all seinen Brüchen, Grenzen und offenen Fragen – Bedeutung hat. Und dass Glück dort entsteht, wo wir aufhören, es uns selber zu verweigern. Ihre Claudia Zürcher-Künzi, Geschäftsleiterin palliative bern |  | | |
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Was bedeutet es, dem Leben bis zuletzt einen Wert zu geben? Diese Frage begleitet viele Menschen – bewusst oder leise im Hintergrund. Die Filmreihe «Voller Leben» lädt dazu ein, ihr nachzugehen. Am Samstag, 14. Februar 2026, zeigen wir im Kino Rex in Bern den Film über die Schweizer Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross. Er zeichnet ihr Leben und Wirken nach und erinnert an eine Frau, die den Mut hatte, dem Tod ins Gesicht zu sehen – und dadurch das Leben vieler Menschen verändert hat. Mit ihrer Pionierarbeit hat Elisabeth Kübler-Ross unser Verständnis von Sterben, Tod und Trauer nachhaltig geprägt. Ihre Theorien – etwa die fünf Phasen des Sterbens – wirken bis heute nach, werden weiterentwickelt und bleiben Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung mit existenziellen Fragen. Der Film eröffnet einen persönlichen, berührenden Zugang zu diesen Themen – jenseits von Theorie und Distanz
Flyer «Dem Tod ins Gesicht sehen» |
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Wie fühlt es sich an, am Ende des Lebens nach vorn zu schauen? Dieser Frage widmet sich das Buch «Ausleben» der Schweizer Autorin Mena Kost. Am Mittwoch, 26. Februar, um 19.00 Uhr lesen die Autorin und die Fotografin Annette Boutellier in Koppigen. Gemeinsam haben sie hochbetagte Menschen zwischen 83 und 111 Jahren besucht und mit ihnen über das gesprochen, worüber oft geschwiegen wird: über das Sterben, über Ängste, über Abschied – und über das Leben selbst. Die Begegnungen zeigen Berührendes und Überraschendes: Für viele alte Menschen verliert der Tod an Schrecken. Manche entwickeln eine ruhige, andere eine humorvolle Beziehung zu ihm. Vor allem aber sprechen sie offen – und geben ihrem Leben bis zuletzt Ausdruck und Bedeutung. Die Lesung, das Vorstellen der Porträts und das Gespräch mit dem Publikum bilden einen gemeinsamen Abend. Er findet im St. Niklaus Pflegeheim in Koppigen statt – einem Ort, an dem Fragen des Älterwerdens, des Abschieds und der Würde präsent sind. Hier lebt auch Bruno Wälti (85), dessen Geschichte im Editorial vorgestellt wird. Gemeinsam mit Claudia Zürcher-Künzi, Geschäftsleiterin von palliative bern, laden Mena Kost und Annette Boutellier dazu ein, über das Erzählen am Lebensende, über das Zuhören – und darüber nachzudenken, warum es wichtig ist, dem Tod Raum im Leben zu geben.
Flyer «Ausleben»
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Wie gelingt gute Palliative Care im Alltag von Langzeitinstitutionen? Die Netzwerktreffen Palliative Care 2026 bietenRaum für Austausch, Reflexion und gegenseitige Unterstützung. Fachpersonen der Langzeitpflege bringen ihre Erfahrungen ein, teilen Herausforderungen und entwickeln gemeinsam neue Impulse für eine starke, vernetzte Palliative Care in ihren Häusern. Das neue Netzwerkformat unter dem Dach von palliative bern stärkt die Zusammenarbeit und fördert eine gemeinsame Haltung im Umgang mit schwerkranken und sterbenden Menschen. Im offenen Dialog entstehen hilfreiche Verbindungen, neue Perspektiven und konkrete Ideen für die Praxis. Drei Treffen im Jahr laden dazu ein, kontinuierlich im Gespräch zu bleiben und gemeinsam weiterzugehen.
Flyer Netzwerktreffen
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Was bedeutet es, dem Leben Wert zu geben – heute? Im Editorial dieses Newsletters haben wir von einem hochbetagten Mann erzählt, der seinen Alltag gestaltet und darin Sinn findet. Diese Frage nach Wert, Würde und Lebensqualität stellt sich auch dort, wo das Leben noch jung ist. Palliative Care für Kinder richtet sich an Kinder mit schweren oder lebensbedrohlichen Erkrankungen und an ihre Familien. Sie beginnt nicht erst am Lebensende, sondern möglichst früh – begleitend, unterstützend und ganzheitlich. Im Zentrum stehen das Kind und sein Alltag: medizinisch gut versorgt, emotional gestärkt, eingebettet in tragende Beziehungen. Unter dem Dach von palliative bern setzt sich die Arbeitsgruppe Pädiatrische Palliative Care dafür ein, diese Form der Begleitung im Kanton Bern zu vernetzen, sichtbar zu machen und weiterzuentwickeln. Im Mittelpunkt stehen dabei immer die aktuellen Bedürfnisse des Kindes und seiner Familie.
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Palliative Care lebt vom Engagement vieler – und von einer starken Gemeinschaft. Wir wünschen uns deshalb mehr Einzel- und Kollektivmitglieder, die palliative bern mittragen, mitgestalten und stärken. Als Mitglied profitieren Sie von fachlicher Unterstützung im Praxisalltag, attraktiven Vergünstigungen bei Kongressen, Tagungen und Weiterbildungen sowie von aktuellen Informationen rund um die Palliative Care. Gleichzeitig eröffnen sich Möglichkeiten zur Mitsprache, zur Mitarbeit in Fach- und Arbeitsgruppen und zur regionalen wie nationalen Vernetzung. Mit Ihrer Mitgliedschaft setzen Sie ein Zeichen der Solidarität und stärken das politische Gewicht der Palliative Care im Kanton Bern und darüber hinaus. Werden Sie jetzt Einzel- oder Kollektivmitglied. Gestalten Sie die Weiterentwicklung der Palliative Care aktiv mit – fachlich fundiert und im Dialog mit anderen.
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