Schwellenzeit – zwischen Rückblick und Aufbruch

Weihnachten und Silvester sind Schwellenzeiten. Tage, an denen wir innehalten, zurückblicken und zugleich den Blick nach vorne richten. Sie laden ein zu Besinnung und Neuorientierung – und erinnern uns an jene Qualitäten, die uns durch das Leben tragen: Vertrauen, Mut und Zuversicht.

Auch in diesem Jahr haben wir vieles erlebt. Es gab Momente der Freude und der Leichtigkeit, aber auch Zeiten, die uns gefordert und an Grenzen geführt haben. Wir haben gelacht und geweint, gerungen und ausgehalten. Manchmal waren es feine, leise Momente der Entlastung, die trugen, wenn Worte fehlten oder die Schwere überwog. Fragen nach Abschied, Endlichkeit und Tod begleiteten uns auch in diesem Jahr.

Gerade deshalb sind Schwellenzeiten mehr als ein blosser Jahreswechsel. Sie sind ein Angebot: innezuhalten, loszulassen, was war, und sich behutsam zu öffnen für das, was kommen will. Umbrüche, Veränderungen und Richtungswechsel gehören zum Leben – und jede Schwelle birgt die Möglichkeit, gestärkt und wacher weiterzugehen.
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen frohe und friedliche Weihnachtstage, Momente der Ruhe und der Verbundenheit sowie ein neues Jahr voller Zuversicht, Gesundheit und tragender Begegnungen. Mögen wir mit Vertrauen durch die Höhen und Tiefen des Lebens gehen, den Humor bewahren und die kostbaren Augenblicke bewusst wahrnehmen. Denn darin zeigt sich, was uns als Menschen ausmacht: endlich.menschlich.

 

Herzlich

Eure Claudia Zürcher-Künzi,
Geschäftsleiterin palliative bern    

 

 

 

Rückblick 2025: Vernetzung stärken, Neues wagen

2025 hat erneut gezeigt: Palliative Care wächst – in der Versorgung, in der Gesellschaft und in den Herzen der Menschen.

Besonders erfreulich ist die Weiterentwicklung der regionalen Palliativnetzwerke: Im Emmental besteht seit Oktober ein eigenes Netzwerk, im Oberland werden bestehende Strukturen gebündelt, in der Region Bern wird ein Modellversuch für eine  integrierte, spezialisierte Versorgung in die Teilstrategie aufgenommen – und im Seeland nimmt mit der MPD Seeland AG ein spezialisierter mobiler Palliative-Dienst seine Arbeit auf. Als Drehscheibe zwischen Medizin, Pflege, Angehörigen und Gesellschaft bringt er Palliative Care dorthin, wo Menschen leben, und trägt wesentlich dazu bei, dass im Kanton Bern nun eine flächendeckende Versorgung möglich wird. Damit kommen wir unserem Ziel näher, allen Menschen eine bedarfsgerechte, verlässliche Begleitung zu ermöglichen – unabhängig von ihrem Wohnort.

Innovative Projekte wie die App iDecide für digitale Patientenverfügungen, Kindness Education an Schulen oder Bärenstark für Kinder mit schwersterkrankten Eltern zeigen, wie breit Palliative Care heute wirkt: Sie verbindet medizinische, psychosoziale und gesellschaftliche Perspektiven und rückt die Bedürfnisse von Familien, Kindern und Bezugspersonen stärker ins Zentrum.

Auch kulturelle Initiativen setzen bewusst neue Akzente. Mit dem Buchprojekt «Rezepte des Lebens» und einer geplanten Konzertreihe schaffen wir Räume, in denen Sterben, Tod und Trauer sichtbar, hörbar und besprechbar werden. Denn eine offene Sprache hilft, Unsicherheiten abzubauen, stärkt das gegenseitige Verständnis und ermöglicht es, sich frühzeitig mit existenziellen Fragen auseinanderzusetzen – als Einzelne, als Familien und als Gesellschaft.

 

 

Ausblick 2026: endlich.menschlich.

Eine Bewegung wächst über Grenzen hinaus

Was 2024 mit dem ersten Stadtfestival endlich.menschlich in Bern begann, hat unglaubliche Wellen geschlagen: Die Bewegung wächst – über Sprachgrenzen, Kantonsgrenzen und in alle Ecken der Schweiz hinein.

Für das Festival 2026 (26. Oktober – 2. November) sind bereits Zürich, Basel, Chur, St. Gallen, Genf, Lugano und Luzern mit dabei. Sie alle planen eigene Veranstaltungen, lokale Formate und Begegnungsräume – jede Stadt auf ihre Art, aber alle vereint durch eine gemeinsame Vision: Sterben, Tod und Trauer sichtbar zu machen, mitten in der Gesellschaft.

 

Leporello endlich.menschlich. 2026

 

 

Warum es wichtig ist, Palliative Care und Caring Community zu verbinden

Palliative Care kümmert sich um Menschen mit schweren, chronischen oder lebensverkürzenden Krankheiten – medizinisch, pflegerisch, psychologisch und spirituell. Sie sorgt dafür, dass Betroffene und ihre Angehörigen in dieser Lebensphase bestmöglich begleitet werden.

 

Caring Community erweitert diesen Blick: Sie fragt, wie wir als Gemeinschaft Verantwortung füreinander übernehmen können – nicht nur in Institutionen, sondern mitten im Alltag, in Nachbarschaften, Vereinen, Gemeinden und Städten.

Hier sind die Compassionate Communities verankert – ein internationales Konzept, das sich gezielt dem letzten Lebensabschnitt zuwendet. Der Pionier dieser Bewegung, Professor Allan Kellehear, hat die «95%-Regel» formuliert: Menschen mit schweren Erkrankungen verbringen nur etwa 5% ihrer Zeit in direktem Kontakt mit dem Gesundheitssystem. Die anderen 95% sind sie auf sich selbst, ihre Angehörigen, Nachbar:innen und Freund:innen angewiesen. Genau hier setzt die Compassionate Communities-Bewegung an: Sie stärkt das Wissen, die Kompetenzen und die Netzwerke in der Bevölkerung – damit Menschen nicht nur auf professionelle Hilfe angewiesen sind, sondern auch in ihrem unmittelbaren Umfeld Unterstützung finden.

Das Konzept basiert auf der Ottawa-Charta der WHO und versteht Sorge als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Es geht um "Death Literacy" – das praktische Wissen darüber, was zu tun ist und wo Hilfe zu finden ist. Es geht um Schulen, Unternehmen, religiöse Gemeinschaften, Kulturinstitutionen – und darum, dass Sterben, Tod und Trauer wieder als selbstverständlicher Teil des Lebens in alle Bereiche der Gesellschaft zurückkehren.

Wenn wir Palliative Care mit Caring Community und Compassionate Communities verbinden,

  • rücken wir die Sorge zurück ins Zentrum der Gesellschaft,
  • bauen Brücken zwischen professioneller Unterstützung und dem, was Menschen füreinander tun können,
  • entlasten Betroffene, Angehörige und Fachpersonen – weil mehr Menschen mittragen,
  • und fördern eine Kultur, in der Sterben, Tod und Trauer ihren Platz haben.

So entsteht eine sorgende Gemeinschaft, in der Fachwissen und Menschlichkeit Hand in Hand gehen – tragfähig, nachhaltig und zutiefst menschlich.

 

Leporello palliative bern

Mit Freude präsentieren wir Ihnen das neue Halbjahresprogramm von palliative bern.

Es erwartet Sie ein vielfältiges Angebot an Weiterbildungen, Veranstaltungen und Begegnungsformaten rund um Palliative Care im Kanton Bern.

In fachübergreifender Zusammenarbeit entstehen Angebote, die fundiertes Wissen vermitteln, den Dialog fördern und neue Perspektiven eröffnen – beruflich wie persönlich.
Lassen Sie sich inspirieren. Wir freuen uns auf bereichernde Begegnungen, anregende Gespräche und den Austausch mit Ihnen – und darauf, 2026 gemeinsam zu gestalten.


Leporello palliative bern

 

 

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